Und plötzlich sind wir ein ganzes Stück weiter

Kaum hat es begonnen, ist 2020 abgedriftet in ein die Gesellschaft brutal forderndes Jahr. Wahrscheinlich nie­mand ist davon verschont geblieben. Grosse Herausforderungen in der Arbeitswelt, massive Einschnitte im Pri­vatleben, Hürdenläufe im Bildungswesen, Breaks aller Art in der Sportwelt, Stille statt Fluglärm, Auszeiten in den eigenen, statt in Hotelwänden. Ein Jahr, das jedem Plan trotzte, ein Jahr, in dem rund um den Globus die Delete-Taste nützlicher denn je, der Lipgloss überflüssiger denn je wurde. Nichts war sicher, nichts war planbar. Wie uns mittlerweile (fast) allen bekannt ist, wird sich daran wahrscheinlich auch nicht so schnell etwas ändern. Umso wichtiger ist es, die im Schatten der negativen stehenden positiven Aspekte ins Licht zu rücken.

Licht an für die Arbeitswelt

Ganz klar, man darf nichts beschönigen. Home-Office ist nicht das Gelbe vom Ei. Die einen leiden darunter, die andern haben es liebgewonnen. Dasselbe gilt wohl auch für Videokonferenzen. Bei beidem stehen wir aber heute an einem ganz anderen Ort als zu Jahresbeginn. Langatmiges Hoi und Hallo, Sightseeing-Touren durch die Pri­vatwohnung via Webcam oder fragwürdige, den Gesprächsfluss störende Möblierungen im Bildhintergrund sind kein Thema mehr. Wir gehen viel entspannter, zielgerichteter, effizienter mit diesem Kommunikationskanal um. Im wahrsten Sinne des Wortes kann jedes Kind mit Zoom, Teams und Konsorten umgehen. Wir haben gelernt, dass wir Informationen gebündelt, vorbereitet und knapp formuliert austauschen können, ohne dass das daraus Resultierende an Qualität leidet. Wir kennen die Regeln, wann man sich zu Wort meldet und wann nicht.

Arbeitgeber haben gelernt, dass Vertrauen auch Motivation bedeutet. Die Arbeitnehmer wiederum haben entdeckt, dass Eigenverantwortung zum feinen Lebenselixier werden kann, einem, dass gerade deswegen so gut schmeckt, weil Pflichtbewusstsein und Disziplin für einen herrlichen Rausch an Selbstwertgefühl sorgt.

Wir haben gelernt, die durch das Wegfallen des Arbeitsweges gewonnene Zeit zu nutzen, uns in unsere Arbeit stressfreier zu vertiefen oder unserem privaten Umfeld mehr Aufmerksamkeit zu widmen, mehr für uns selbst zu machen, neue Interessen zu entwickeln.

Wir (und damit ist hier die iET SA gemeint), haben gelernt, innert kürzester Zeit hohe technische Hindernisse zu überwinden.

Ambient Light im Privaten

Dass es nicht einfach, als mehrköpfige Familie tagelang zu Hause konfliktfrei zu funktionieren ist klar, auch Home-Office in einer Wohngemeinschaft ist kein Zuckerschlecken. Probleme sind vorprogrammiert, daher sind Rücksicht und Nachsicht das Motto. Kleinkinder wissen heute, dass Home-Office kein Play­mobil-Baukas­ten, sondern ein für die Familie wesentliches Alltagselement ist. Viele Familienmitglieder haben sich erst in die­sem Jahr richtig kennengelernt. Der Vater lernt von der smarten Tochter, der Bruder gewinnt erstmals Einblick in den komplexen Job der Mutter. 2020 hat grossen Teilen der Gesellschaft, die das bislang noch nicht kannten, gelehrt, sich selbst ein bisschen zurück zu nehmen, da erst so ein friedliches Koexistieren mit dem jeweiligen Umfeld möglich wird und dieses wiederum für einem selbst durchaus erbauend ist.

Distance Learning im Lichterglanz

Viel Erfreuliches beim Distance Learning: Bislang verpönt, wird es inzwischen selbst von Skeptikern vielerorts als mögliche Alternative zum klassischen Frontalunterricht geschätzt. Natürlich gibt es gerade auf der Seite der Lehrbeauftragten noch viel zu verbessern, die Studierenden legen aber je länger, je beeindruckender eine Per­formance hin, die man sich bis vor Kurzem nicht vorzustellen wagte. Während beim traditi­onellen Unterricht das Einhalten der Anfangs-, Pausen- und Mittagszeiten von den Stu­dierenden oft recht lasch befolgt wurde, kann heute der Unterricht beim Distance Learning fast ausnahmslos minu­tengenau eingehalten wer­den. Gerade im Bereich der Erwachsenenbildung, wo die Unterrichtseinheiten abends oder an Samstagen statt­finden, wird dar­über hinaus der wegfallende Reiseweg sehr geschätzt. Eine Zeitersparnis, die anderweitig ge­nutzt werden kann und mindestens der Life-Work-Balance zugute­kommt.

Lichterlöschen bei Küsschen-Küsschen und Händeschütteln

Hand aufs Herz: Wie erpicht sind Sie wirklich, mehr oder weniger ungefragt zur Begrüssung abgeküsst zu werden? Über den Wegfall dieser Pflichtübung dürften die Wenigsten betrübt sein – «weniger ist mehr» war schliesslich auch schon vor der Pandemie das Mass der Dinge. Gegen das Händeschütteln ist zwar nichts einzuwenden, die Gesellschaft hat sich aber sehr schnell angepasst und Alternativen gefunden. Ein klarer Fortschritt – Kreativität aus der Not heraus, sozusagen. Dabei geht es gar nicht so direkt ums Händeschütteln oder Küssen an sich, sondern um das bewusstere Handeln. Was bewirken meine Handlungen und wen gefährde ich wie dadurch?

Lichterfunkelnde Zukunft

Nochmals: Es ist uns bewusst, wie unangenehm, wie anstrengend, wie nervend, wie kostspielig und risi­koreich die Gegenwart ist. Gerade deswegen ist es wichtig, im Trüben und Düstern nach Erfreulichem zu suchen. An Entwicklungen die uns selbst, in erster Linie aber uns als Gesellschaft wachsen lassen und damit für eine sehr anspruchsvolle Zukunft rüsten. Denn eines ist inzwischen klar: Alleingänge sind keine Lösung. Ein rücksichts­volles Miteinander aber schon. Insbesondere, weil beim Miteinander niemand auf der Strecke liegen bleibt, also das Einzelne vom Total profitiert, die vom Individuum geleisteten kleinen Schritte in die richtige Richtung ein grosser Schritt für die Gesamtheit darstellen. Und damit sind wir bei etwas ganz Kostbarem. Wie an Weihnach­ten, beim Chanukka, beim Mevlid Kandili, beim Diwali oder beim Vesakh.

2020 wird in die Geschichte als Annus horribilis eingehen, verschiebt man aber die Perspektive und lässt etwas guten Willen zu, ist fast schon ein Annus mirabilis zu erkennen.

In diesem Sinne: Frohe Festtage, schöne Stunden im kleinen Kreis und rutschen Sie gesund ins neue Jahr. Es werden uns dort auf alle Fälle viele Lichtblicke erwarten – davon sind wir absolut überzeugt!

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